Landwirtschaft behauptet sich in den Corona-Jahren 2020 und 2021 trotz sektoraler Unterschiede und Einbußen

Vorstellung der landwirtschaftlichen Ergebnisse beim Buchstellentag des SER
Im Rahmen eines Podiumsgesprächs tauschten sich Vertreter von Produktion und Vertrieb, sowie Dr. Marianne Penker über die Chancen der kurzen Wege in der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte aus.
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Im Rahmen des 21. Buchstellentags stellte der Service d’économie rurale (SER) am 29. November 2021 die Buchführungsergebnisse der luxemburgischen Landwirtschaft für 2020 vor. Daneben gab der SER an Hand einer Prognose einen Ausblick auf das wirtschaftliche Resultat des aktuellen Jahres 2021.

Der SER analysierte dabei die Ergebnisse der luxemburgischen Landwirtschaft einschließlich des Weinbaus für 2020 auf Grund des landwirtschaftlichen Testbetriebsnetzes.[1] Für das Jahr 2020 wurden die Ergebnisse 523 landwirtschaftlicher Betriebe ausgewertet und auf die rund 1320 Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe des Großherzogtums hochgerechnet. Die Ergebnisse werden auf Basis des Ordentlichen Ergebnisses (OE) dargestellt.[2]

Allgemein gute betriebliche Resultate, aber Sorgen um Einbrüche im Schweine- und Rindfleischmarkt und Schwankungen je nach Betriebsorientierung

·       Das durchschnittliche Ordentliche Ergebnis (OE) des Wirtschaftsjahres 2020 ist um 14 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und liegt mit 68.900 Euro je Unternehmen deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt (52.800 Euro/Betrieb).
Für 2021 prognostiziert der SER einen weiteren leichten Anstieg des betrieblichen Ergebnisses von 2% auf 70.500 Euro.  

·       Das landwirtschaftliche Einkommen je nicht entlohnte Familien-Arbeitskraft liegt auf dieser Berechnungsgrundlage 2020 bei durchschnittlich 47.500 Euro, im prognostizierten Jahr 2021 bei 48.600 Euro.

Das Resultat wird in erster Linie beeinflusst durch:

·       gute Erzeugerpreise und eine seit dem Jahr 2017 anhaltende stabile Marktlage in der Milchwirtschaft. Das durchschnittliche Ergebnis wird maßgebend durch die Lage in der Milchwirtschaft beeinflusst, da es sich bei dieser Produktion um das Hauptstandbein der luxemburgischen Landwirtschaft handelt: 37 % der landwirtschaftlichen Unternehmen sind in der Betriebsorientierung der spezialisierten Milchbetriebe vertreten; diese Unternehmen erwirtschaften 55 % des gesamten theoretischen Produktionswerts der luxemburgischen Landwirtschaft.[3]

Besorgniserregend sind allerdings:

·       die Entwicklung auf dem Schweinemarkt seit Herbst 2020: unter dem Einfluss der zeitweiligen Schließung großer Schlachthöfe, bedingt durch die Corona-Pandemie, sowie des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland, gerieten die Erzeugerpreise im Schweinesektor unter Druck – ein Trend, der bis heute anhält; im Jahr 2021 fielen die Preise auf monatlicher Basis um bis zu 35 % im Vergleich zum Vorjahr; insgesamt wird für 2021 ein Minus von 13 % bei den Erzeugerpreisen vorausgesagt. Hinzu kommt eine Steigerung der Kosten für Futtermittel von 18 %, was das Ergebnis der Schweineproduktion mit einem Minus von 30 % im Vergleich zum Vorjahr belastet. Auf die schwierige wirtschaftliche Lage reagierte die Regierung mit Beihilfen für Existenzsicherung in Höhe von durchschnittlich 7.500 Euro je Unternehmen.  

·       die Einkommenssituation der Rindfleischprozenten: die Rinderaufzucht- und Rindermastbetriebe erwirtschafteten im Jahr 2020 lediglich ein OE von durchschnittlich 24.540 Euro pro Unternehmen. Für 2021 wird zwar eine Verbesserung des Ergebnisses auf 28.200 Euro vorausgesagt. Das Ergebnis bleibt nichtsdestotrotz auf existenzgefährdendem Niveau. Die Situation ist in erster Linie strukturell bedingt, auf Grund von sehr niedrigen Umsatzerlösen und hohen Infrastrukturkosten. Um diese Produktion auf Grund ihres extensiven Charakters und ihrer nachhaltigen Bewirtschaftungsform für Luxemburg aufrecht zu erhalten, wird der Rindfleischsektor im Rahmen des zukünftigen Strategischen Plans für die Landwirtschaft ab 2023 durch eine an die Produktion gekoppelte Beihilfe zusätzlich gefördert werden.   

·       die Energiepreise sind im Laufe der vergangenen Monate sehr stark angestiegen, was Auswirkungen beispielsweise auf die Kosten für Treibstoff und Düngemittel hat. Da die landwirtschaftlichen Unternehmen bis jetzt auf Lagerbestände zurückgreifen konnten, werden sich diese Preisentwicklungen allerdings erst im Jahr 2022 in den Büchern bemerkbar machen.   

Das Ergebnis ist demzufolge extrem hohen Schwankungen je nach Betriebsorientierung und einer sehr hohen Streuung zwischen den einzelnen Unternehmen innerhalb der Orientierungen unterlegen. So schaffen es beispielsweise die 25 % besten Milchviehbetriebe auf ein OE pro nicht entlohnte Arbeitskraft von 112.400 Euro, die 25 % besten Rindfleischproduzenten auf ein OE je nicht entlohnte Arbeitskraft von 70.800 Euro. Diese Unterschiede sind in erster Linie auf strukturelle Bedingungen (hohe Infrastrukturkosten) und betriebswirtschaftliche Entscheidungen (Betriebsmanagement) zurückzuführen.   

Für das Jahr 2020 wurden vom SER die Ergebnisse 523 landwirtschaftlicher Betriebe ausgewertet und auf die rund 1320 Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe des Großherzogtums hochgerechnet.
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Kurze Wege in der Vermarktung und Diversifizierung der Landwirtschaft

Im Rahmen eines Podiumsgesprächs tauschten sich Vertreter von Produktion und Vertrieb, sowie Dr. Marianne Penker, Professorin am Institut für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung der Universität für Bodenkultur Wien über die Chancen der kurzen Wege in der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte aus. Als positiv wurde hier bewertet, dass die Landwirtschaft während der Corona-Pandemie ihrer Tätigkeit trotz Einschränkungen und sektoralen Einbußen weiter nachgehen konnte. Corona hat der Bevölkerung die Systemrelevanz der Landwirtschaft und den Stellenwert unserer Bauern erneut vor Augen geführt. Ziel des Landwirtschaftsministeriums ist es, den Trend zur regionalen Direktvermarktung und zu kurzen Wege mittel- und langfristig auszubauen.

Die Förderung der lokalen Produktion sowie von neuen Absatzmöglichkeiten bleibt auch weiterhin eine Priorität der Regierung. Mit der gezielten Unterstützung von weiterverarbeitenden und direktvermarktenden Betrieben möchte man im Rahmen des zukünftigen strategischen Plans für die Landwirtschaft die Diversifizierung des landwirtschaftlichen Sektors weitertreiben und mit der Nachfrage der Verbraucher abstimmen.

 

[1] Im Testbetriebsnetz der landwirtschaftlichen Buchführungen werden jährlich aktuelle Informationen zur Lage der Landwirtschaft, u.a. nach Produktionsrichtung und Betriebsgröße, vom Service d’économie rurale ausgewertet.  

[2] Das OE stellt den bereinigten Gewinn dar und drückt den Erfolg des Unternehmens zeitraumecht und bereinigt von außergewöhnlichen Einflüssen aus.  

[3] Die Berechnung erfolgt auf Basis des Standardoutputs (SO). Der SO stellt die standardisierte Rechengröße dar, die den durchschnittlichen Geldwert der Bruttoagrarerzeugung eines landwirtschaftlichen Betriebs laut den Vorgaben der EU beschreibt.

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