Landwirtschaftsminister Romain Schneider zieht mit Vertretern des Sektors Bilanz einer unterdurchschnittlichen Getreideernte und der Auswirkungen der Juli-Unwetter

Erntegespräche 2021
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Romain Schneider und Fernand Etgen bei den Erntegesprächen 2021
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Der Landwirtschaftsminister Romain Schneider besuchte heute die Bauere Koperativ BAKO SC in Hosingen, um sich mit Vertretern des Sektors (BAKO, Luxemburger Saatbaugenossenschaft-LSG, DE VERBAND, Moulins de Kleinbettingen) über den Abschluss der diesjährigen Getreideernte auszutauschen. Dabei ging Romain Schneider auch auf die Juli-Unwetter ein und zog Bilanz über die Ernteausfälle, die sonstigen Schäden sowie die staatlichen Finanzhilfen.

Unterdurchschnittliche Erträge und Qualitäten beim Getreide

Die Getreideernte 2021 enttäuschte letztendlich sowohl die Getreideproduzenten als auch die Erfasser bezüglich Quantität und Qualität. Sowohl Landwirtschaftsminister Romain Schneider als auch die Vertreter des Agrarsektors sprachen von einer variablen, teils verminderten Qualität der geernteten Getreidemengen, da die Ernte wegen des Regens ständig unterbrochen wurde und nur schleppend voranging. Noch in der ersten Septemberwoche war die Getreideernte nirgends im Land vollständig abgeschlossen.

Steve Turmes (LSG), Klaus Palzkill (De Verband) und Günther Mertes (BAKO SC) erklärten, dass die Bestände gut aus dem Winter kamen. Wegen anhaltender Kälte entwickelten sie sich im Frühjahr jedoch nur zögerlich. Ende Juni waren die Ertragserwartungen noch hoch, der kühle und sonnenarme Sommer hat jedoch zu deutlichen Mengen- und Qualitätseinbußen geführt. Das angelieferte Getreide hatte deutlich niedrigere Hektolitergewichte, auch die Ölgehalte im Raps waren niedriger als üblich, viele Partien mussten nachgetrocknet werden. Eine knappe Marktversorgung und eine größere Nachfrage haben die Preise auf dem Weltmarkt ansteigen lassen. Die schlechte Getreideernte kann demnach durch die hohen Erzeugerpreise teilweise kompensiert werden. Für viehhaltende Betriebe hat diese Preisentwicklung allerdings auch eine negative Kehrseite, da auch die Preise für Kraftfutter steigen. Die Schweinemast ist derzeit wegen hoher Futterpreise und tiefer Fleischpreise kein lukratives Geschäft.

Hafer und Dinkel, beide etwas extensivere Getreidearten, konnten wieder durch eine verminderte Krankheitsanfälligkeit und sehr geringem Auswuchs überzeugen. Der Dinkel hat seine Backfähigkeit trotz schwierigen Erntebedingungen größtenteils bewahrt. Gute Qualitäten beider Getreidearten können wahrscheinlich zu sehr guten Bedingungen vermarktet werden, so Günther Mertes.

Was das heimische Brotgetreide und die Mehlproduktion für das Label „Produit du terroir – Lëtzebuerger Wees, Miel a Brout” sind seit diesem Jahr ebenfalls Hartweizen und Dinkel im Label aufgenommen worden. Beim Weichweizen sind Ertragsverluste von etwa 10% zu beziffern. Die Qualität vom Winterweizen und Dinkel seien trotz der schwierigen Erntebedingung zufriedenstellend, so Geschäftsführer Jean Müller.
 

Bei der Saatgutvermehrung liegen die Erträge von Weizen, Roggen, Gerste und Hafer laut Steve Turmes ebenfalls unter dem langjährigen Durchschnitt. Weitere Verluste kommen durch den hohen Ausputz nach der Ernte hinzu. Durch die feuchte Witterung ist der Krankheitsdruck groß und viele Partien müssen zum Erhalt der Keimfähigkeit gebeizt werden. Bei Triticale wurde auf jeder Vermehrungsfläche Auswuchs festgestellt, die Leguminosenernte kommt einem Totalausfall nahe.
 

Nichtsdestotrotz solle der Anteil an lokal angebauten Getreide und die regionale Pflanzenproduktion weiterhin unterstützt werden, um dem steigenden Interesse der Verbraucher an lokal produzierten Nahrungsmitteln gerecht zu werden, so Romain Schneider.

Futterbau: Hohe Grünlanderträge und vielversprechende Maisernte

Romain Schneider blickte positiv auf die hohen Grünlanderträge sowie die vielversprechende Maisernte, die dieses Jahr viel später als in den letzten Jahren starten wird. Auf den Grünlandversuchsflächen der ASTA ist mit zwei Schnitten im Jahr 2021 bereits ein höherer Ertrag zu verzeichnen als im gesamten Jahr 2020. Im Kartoffelbau ist mengenmäßig eine gute Ernte zu erwarten. Da lediglich erst die Ernte der ersten Pflanzkartoffeln begonnen hat, kann man über die Qualität noch keine Aussage treffen.

Juli-Unwetter verursachten 1.650.000€-hohe Schäden für die Landwirtschaft

Ferner ging Romain Schneider auf die Schäden in der Landwirtschaft ein, die durch die Überschwemmungen und das Hochwasser am 15 Juli endstanden sind. Minister Schneider betonte, dass diesbezüglich die Bestandsaufnahme abgeschlossen ist und der Schaden für die Landwirtschaft insgesamt 1.650.000€ beträgt. Auf rund 820 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche wurden verschiedene Kulturen beschädigt, darunter auch 2,5 ha Gemüsebau und 2 ha Weinberge. Romain Schneider betonte aber auch, die Schäden überschaubar seien, und stellte schnelle Hilfe für die betroffenen Betriebe, sowie Vorauszahlungen für diejenigen Betriebe, deren Existenz durch die Überschwemmungen gefährdet wurde, in Aussicht.
 

Die Erntegespräche fanden bei der Bauere Koperativ BAKO statt. In den 2014 fertiggestellten Produktionshallen der BAKO wird vor allem mit regionalem Getreide und andere Komponenten Qualitätskraftfutter verarbeitet. Die Rohstoffe hierzu werden schonend verarbeitet und auf die Bedürfnisse der jeweiligen Milch- oder Mastbetriebe zugeschnitten, um Energiekosten einzusparen und eine nachhaltige transparente Produktion zu gewährleisten. Aktuell befindet sich hier eine neue Anlage im Bau. Diese soll der steigenden Anbauflächen und Nachfrage nach alternativen Getreidearten wie Hafer und Dinkel, sowie Körnerleguminosen gerecht werden.

BAKO-erntegespräche
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