Seit 30 Jahren wird die ländliche Entwicklung vom Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und ländliche Entwicklung gefördert. Am 16. Oktober 2019 wird dies gebührend im Kulturzentrum Cube 521 in Marnach in Anwesenheit von Ressortminister Romain Schneider mit allen Akteuren, die in der ländlichen Entwicklung aktiv sind (Organisationen, Verwaltungen, Verbänden, Gemeinden, Naturparke, lokale LEADER Aktionsgruppen, Wissenschaftler, Berater) gefeiert.
Worum geht es?
Primäres Ziel der Entwicklung des ländlichen Raumes ist es, den rund 200.000 Menschen, die außerhalb der städtischen Verdichtungsräume um die Hauptstadt Luxemburg, den Kanton Esch oder die Nordstad wohnen, eine gleichwertige Lebensqualität zu bieten. In den letzten 30 Jahren wurden deshalb mehr als tausend Ideen entwickelt und Projekte gefördert. 82 kommunale Entwicklungspläne wurden für sechs Millionen Euro kofinanziert und 84 Millionen Euro wurden in 509 lokale Projekte investiert, die mit den Gemeinden umgesetzt wurden. Hinzu kommen 45 Millionen Euro für 528 Projekte im Rahmen der europäischen LEADER-Initiative. Eine aktive Bürgerbeteiligung ist dabei immer Schlüssel zum Erfolg. Bekannte Beispiele sind u.a. die Projekte Téi vum Séi, die Regionalwährung Beki, die Landakademie oder der Mullerthal Trail.
Die „Titel III - Fördermaβnahmen“
Die Politik für die nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume für die Periode 2014-2020 wird in der Verordnung (EG) Nr. 1305/2013 des Europäischen Rates beschrieben. Sie legt großen Wert auf die Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum und die Förderung der Diversifizierung der wirtschaftlichen Tätigkeiten.
Für diesen strategischen Schwerpunkt wurde ein Finanzierungsanteil auf nationaler Ebene festgesetzt, auch der LEADER-Ansatz wird als obligatorisches Element in die Politik der nachhaltigen ländlichen Entwicklung integriert.
Um die ökonomischen und soziokulturellen Strukturen im ländlichen Raum weiterzuentwickeln und zu verbessern, wurden aus der europäischen Palette eine Reihe von sechs Fördermaβnahmen zusammengestellt, welche unseren nationalen und regionalen Gegebenheiten am besten angepasst sind. Diese sechs Fördermaβnahmen sind auch unter der Bezeichnung „Titel III - Maßnahmen“ bekannt.
Neben der Förderung der Landwirtschaft, des Weinbaus und des Gartenbaus sieht das Gesetz unter seinem Titel III auch verstärkt eine Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum sowie die Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft vor.
Kennzeichnend für den ländlichen Raum Luxemburgs sind die hohe landschaftliche Vielfalt sowie eine ausgeprägte regionale Identität.
Nach den angewandten Prinzipien von Dezentralisierung, Regionalisierung und Einwohnerdichte gelten nunmehr 76 der insgesamt 102 Gemeinden Luxemburgs als „Gemeinden im ländlichen Raum“. Dies entspricht einem Flächenanteil von 82% des luxemburgischen Territoriums und einem Einwohneranteil von etwa 38% der nationalen Bevölkerung.
All jene Projekte, die entweder aus der kommunalen Entwicklungsplanung (PDC-Prozess der jeweiligen Gemeinde) oder aus einer aktiven Bürgerbeteiligung hervorgegangen sind, können gefördert werden.
Immer öfter sind „Stadt“ und „Land“ eng miteinander verzahnt; Eigenarten, Gemeinsamkeiten und Gegensätze zerfließen in einer fortschreitenden und zum Teil sehr flächenintensiven Siedlungsentwicklung, besonders in den ländlichen Räumen. Aufgrund dieser Entwicklung strebt das aktuelle nationale Raumordnungsprogramm (PDAT, 2018) die Prinzipien der Dezentralisierung und Regionalisierung an, die eine lokale und regionale Identität der ländlichen Räume stärken sollen. Denn nur eine eigenständige und proaktive Ausrichtung kann die zukünftige, nachhaltige Entwicklung der Dörfer und ländlichen Regionen gewährleisten.
Diese Karte gibt einen Überblick der insgesamt 102 Gemeinden Luxemburgs. Davon befinden sich 76 im ländlichen Raum (förderfähig) und 26 im urbanen Raum. Zudem informiert die Karte über den Stand der kommunalen Entwicklungskonzepte (Gemeinde-Entwicklungspläne: PDC) in den ländlichen Regionen unseres Landes. Aus diesen kommunalen PDC-Planungsprozessen gehen die meisten öffentlichen und kommunalen Projekte als Entwicklungsmaβnahme einer integrierten und nachhaltigen Dorfentwicklung hervor.
Fördermaβnahme 1: Integrierte ländliche Entwicklung, Ausarbeiten kommunaler Entwicklungskonzepte – PDC
- Wohnen und Wohnumfeld – Architektur und Urbanismus;
- Sozioökonomische Aktivitäten und öffentliche Versorgung im regionalen/nationalen Kontext;
- Natürliche und soziale Umwelt, Biodiversität und Siedlungsökologie;
- Soziokulturelles Umfeld, dörfliche Identität, Freizeitaktivitäten, Kultur und Bildung.
Fördermaβnahme 2: Diversifizierung hin zu nicht-landwirtschaftlichen Tätigkeiten
Fördermaβnahme 3: Beratung zur Unternehmensgründung und Betriebsentwicklung
Fördermaβnahme 4: Freizeit- und Tourismusaktivitäten im ländlichen Raum
Fördermaβnahme 5: Grundversorgung für die Landbevölkerung
Fördermaβnahme 6: Bewahren und Aufwerten des Kultur- und Naturerbes im ländlichen Raum und in den Dörfern
LEADER
LEADER, eine Initiative der europäischen Union, steht für „Liaison Entre Actions de Développement de l’Economie Rurale“ und ist ein wichtiger Bestandteil des Programms für ländliche Entwicklung. Gemäß dieser Definition soll LEADER Verbindungen zwischen Projekten und Akteuren der Wirtschaft im ländlichen Raum herstellen.
Ziel von LEADER ist es, Menschen in ländlichen Regionen zu mobilisieren und ihnen dabei zu helfen, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen und neue Wege zu erproben.
In der aktuellen Förderperiode (2014 – 2020) unterstützt LEADER fünf Regionen: Éislek, Atert-Wark, Regioun Mëllerdall, Miselerland und Lëtzebuerg West. Mit dabei sind 105 Organisationen aus dem Privatsektor, 60 Gemeinden und 11 weitere öffentliche Partner. In den LEADER-Regionen leben 168.225 Einwohner auf 1.739,31 km².