Glyphosatausstieg

Einsatz in Luxemburg ab 1. Januar 2021 landesweit verboten

Der Wirkstoff Glyphosat  kommt weltweit in Unkrautbekämpfungsmitteln zum Einsatz und ist auch in der Europäischen Union gemäß den Vorgaben der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 bis zum 15. Dezember 2022 genehmigt. Allerdings wurde von der Industrie schon ein Antrag auf Erneuerung der Genehmigung auf EU-Ebene für den Zeitraum nach 2022 eingereicht. Die Europäische Kommission informiert umfassend über den Verlauf der Erneuerung der Genehmigung sowie über die Risikobewertung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels.

In Luxemburg sind zur Zeit mehrere glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel zum Inverkehrbringen und zur Anwendung zugelassen. In der Landwirtschaft ist das Herbizid Glyphosat mit sehr unterschiedlichen Indikationen bzw. Anwendungsgebieten zugelassen. Die größte Bedeutung hat der Einsatz der  Unkrautbekämpfung nach der Ernte bzw. auf der Stoppel, sowie vor der Saat bzw. vor dem Auflaufen verschiedener Kulturen.

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Der Wirkstoff Glyphosat kommt auch bei der Unterstockpflege im Wein- und Obstbau, im professionellen Garten- und Landschaftsbau oder bei der Eisenbahn zur Anwendung. Mengenmäßig ist Glyphosat einer der am meist eingesetzten Wirkstoffe in der luxemburgischen Landwirtschaft. Der größte einzelne Benutzer von Glyphosat in Luxemburg, ist die Eisenbahn, die diesen Wirkstoff zur Unkrautbekämpfung auf ihrem Schienennetz benutzt. Glyphosathaltige Herbizide stehen ebenfalls den Privatleuten zur Unkrautbekämpfung im Hausgarten zur Verfügung und werden im Rahmen von privaten Pflanzenschutzmittelanwendungen häufig benutzt.

 

Koalitionsabkommen 2018-2023: Landwirtschaft im Einklang mit der Natur

Da die Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes für die Erhaltung der Biodiversität und zum Schutz von Oberflächenwasser und Trinkquellen unerlässlich ist, hat sich die luxemburgische Regierung im Koalitionsabkommen 2018-2023 dazu verpflichtet, mit der konsequenten Umsetzung des Nationalen Aktionsplans zur Reduktion der Pflanzenschutzmittel fortzufahren, insbesondere auch im Hinblick auf den Verzicht von Glyphosat.

De facto hat die luxemburgische Regierung auf nationaler Ebene beschlossen, den Einsatz von Glyphosat bis zum 31 Dezember 2020 landesweit zu beenden, ungeachtet der Zulassung des Wirkstoffs auf europäischer Ebene.

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Maßnahmen zur Umsetzung:

  1. Freiwilliger Verzicht auf den Wirkstoff Glyphosat schon ab dem Kulturjahr 2019/2020:
  2. Bei freiwilligem Verzicht auf glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel schon ab dem Kulturjahr 2019/2020 werden Landwirte  im Rahmen der Landschaftspflegeprämie entschädigt; außerdem bedingt die Teilnahme an verschiedenen Agrar-Klima-Umwelt-Maßnahmen indirekt den Verzicht auf den Einsatz von Glyphosat.

    Die Verpflichtung zum Verzicht auf die Anwendung des Wirkstoffs Glyphosat ab dem Kulturjahr 2019/2020 kann nicht mehr widerrufen werden und gilt bis zum endgültigen Entzug der Zulassung der den Wirkstoff Glyphosat enthaltenden Pflanzenschutzmittel.

    Betriebe, die sich für diese Bedingung verpflichten, erhalten im Rahmen der Landschaftspflegeprämie eine zusätzliche Entschädigung von 30 Euro pro Hektar Ackerland, 50 Euro pro ha Rebfläche sowie 100 Euro pro Hektar Obstbanbaufläche pro Kulturjahr. Zudem wird eine Entschädigung für einen kompletten Herbizidverzicht im Weinbau ab dem Kulturjahr 2019/2020 eingeführt, die, je nach Hangneigung, von 500 bis 550 Euro pro ha beträgt.

  3. Nationales Verbot ab 1. Januar 2021 (gilt sowohl für berufliche als auch private Zwecke)
    • Ab dem 1. Februar 2020 wird die Zulassung für das Inverkehrbringen von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln aufgehoben.
    • Bis zum 30. Juni 2020 wird eine Aufbrauchfrist für den Verkauf des Lagerbestands gewährt.
    • Bis zum 31. Dezember 2020 dürfen die bestehenden Lagerbestände benutzt werden.
     
  4. Identifizierung und Entwicklung von Alternativen zum Glyphosat

Vor dem Hintergrund des geplanten Phasing-outs werden im Rahmen von Forschungsprojekten, die vom Landwirtschaftsministerium finanziert werden, mögliche Alternativen zum Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft unter Praxisbedingungen geprüft und einer sozioökonomischen Bewertung unterzogen:

  • im Forschungsprojekt ANGEL werden mögliche Alternativen zum Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft unter Praxisbedingungen geprüft und bewertet.
  • Lösungsansätze zur allgemeinen Reduzierung des Herbizideinsatzes werden im Projekt Digital Pilot Farms erarbeitet.

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