„Dein Abfall macht mich totkrank!“: Agrarsektor und Landwirtschaftsministerium sensibilisieren gegen Littering

Bis zu 10% aller Weidetiere in Luxemburg von Symptomen der “Abfallkrankheit“ betroffen.

Littering – dieser Begriff bezeichnet das Wegwerfen von Müll in die Natur und Umgebung. Glas-, Dosen-, Plastik- und Papierabfälle aber auch Zigarettenkippen, Essensreste, Take-Away-Artikel oder Hundekot landen oft in Wiesen und Weiden, entlang Straßen und Wanderwege. Wer jedoch Abfall wie Dosen oder Plastikmüll auf Wiesen und Weiden wirft, spielt mit dem Leben der Weidetiere, wilden Tiere und Haustiere.

Für die besorgten Landwirte des grünlandorientierten Standort Luxemburgs artet dies zu einem immer größeren Problem aus. Da die Grasernte meist mechanisch erfolgt und der Müll ist im hohen Gras nicht sichtbar ist, schneidet die Maschine den Abfall in kleine Teile, wodurch er im Tierfutter landet. Diese teils spitzen Fremdstoffe geraten in die Mägen der Nutztiere, was für die Tiere unakzeptable Qualen bedeutet und tödlich enden kann. Nicht selten spricht man deshalb von der “Abfallkrankheit“. Für die betroffenen Tiere bedeuten die Konsequenzen von Littering unnötiges Leiden, und für einen Bauern sowohl emotionalen Stress als auch einen hohen Arbeitsaufwand. Besonders im Frühling und Frühsommer, wo Wiesen und Felder angepflanzt werden, und Grünflächen wachsen, gilt es für Landwirte, Müll auf ihren Nutzflächen zu vermeiden.

Angesichts dieser großen Sorge für den Agrarsektor, wird seit Anfang April 2021 eine Sensibilisierungskampagne gegen Littering in Zusammenarbeit mit dem Jugenddienst der Luxemburgischen Bauernzentrale, dem Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und ländliche Entwicklung, dem Ministerium für Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung sowie der Ëmweltberodung Lëtzebuerg ASBL kofinanziert und durchgeführt.

Seit Beginn der Frühjahrssaison richteten die Landwirte über 300 Schilder auf Weideflächen, entlang von Straßen und Wanderwegen auf. Die Botschaft „Däin Offall mécht mech doudkrank - gehei näischt an d'Natur" soll die Öffentlichkeit zum Nachdenken anregen und das Phänomen eindämmen.

Campagne-anti-littering
Campagne anti-littering
©MA

Der von Littering betroffene landwirtschaftliche Sektor

Jedes Jahr werden tonnenweise Abfälle entlang von Straßen und Gehwegen entsorgt. Zigarettenstummel, leere Verpackungen - wie Dosen, Plastikflaschen, Fast-Food-Verpackungen - und Kaugummi gehören zu den am häufigsten weggeworfenen Gegenständen. Einige dieser weggeworfenen Abfälle können eine erhebliche Verletzungs- oder Infektionsgefahr für Weidetiere darstellen. In der Tat bedauert jeder Landwirt den Verlust von mehreren Tieren pro Jahr durch die so genannte "Abfallkrankheit". In Luxemburg leiden schätzungsweise bis zu 10% der Weidetiere unter Symptomen der “Abfallkrankheit“.

Das Verschlucken von Kunststoff- oder Metallgegenständen kann zu schweren Magen-Darm-Komplikationen bei Rindern und im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres führen. Bei Rindern können sich Plastikteile im Pansen ansammeln und lokale Entzündungen, oder sogar Futterverweigerung verursachen. Die Metallstücke können den Verdauungstrakt spalten und im schlimmsten Fall die Lunge oder sogar den Herzbeutel perforieren. Entzündungen sind schwer in den Griff zu bekommen und der Landwirt möchte oft Antibiotika vermeiden. Innere Blutungen bedeuten den Tod des Tieres. Eine Operation ist selten möglich und sehr teuer.

Hundekot ist für Landwirte eine weitere sehr problematische Form von Littering. Der einzellige Parasit Neospora caninum ist im Kot einiger Hunde vorhanden. Bei trächtigen Kühen kann dieser Parasit in jedem Stadium der Trächtigkeit einen Abort verursachen. Bislang gibt es weder eine Behandlung, noch einen Impfstoff.

Ist die Gefahr beim freien Weiden geringer, entsteht das Problem, wenn der Landwirt das Gras mäht, um Heu oder Silage zu machen. Mähwerke sind mit einem Magneten ausgestattet, um magnetische Metalle zu entfernen, und Landwirte bringen auch magnetische Boli in den Pansen der Tiere ein, damit sich die Metalle um sie herum ansammeln. Metalle, Plastikabfälle und Hundekot, die nicht entfernt werden, sind jedoch eine Quelle des Leidens für das Vieh.

Das Phänomen der Vermüllung in Luxemburg in Zahlen

Die Umweltverwaltung führt regelmäßig eine Studie über das Phänomen des Litterings in Luxemburg durch, welche Ende 2021 - Mitte 2022 wiederholt wird.

Eckdaten der letzten Studie aus dem Jahr 2015:

-       103 kg Müll pro km entlang nationaler Straßen (89 kg pro km im Jahr 2008)

-       216 kg Müll pro km entlang der Autobahnen (309 kg pro km im Jahr 2008)

-       1,2 Millionen Euro pro Jahr für die Reinigung entlang der Nationalstraßen und Autobahnen auf Kosten des luxemburgischen Staates, davon 90% Personalkosten, 4,8% Sammel- und Transportkosten und 5,2% Entsorgungskosten

-       Metalldosen machten mit 18 % des Gesamtvolumens den größten Anteil des Abfallvolumens aus. Am zweiten Platz sind Plastikflaschen. (15 % des Gesamtvolumens).

-       Plastikabfall machen 29% des Gesamtvolumens aus.

Das Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfällen in der Natur ist illegal und wird u.a. mit einem Strafzettel von 145 € für einen auf den Bürgersteig geworfenen Zigarettenstummel oder 250 € für die Entsorgung von Abfällen in Flüssen bestraft.

 

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Campagne Anti-Littering
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