VinoManAOP

Gezieltes weinbauliches Management zur Differenzierung der Weinstile in der Appellation d'origine protégée (AOP) - Moselle Luxembourgeoise – unter sich verändernden klimatischen Bedingungen

Projektziel:

Im Jahre 2014 wurde für die Weine der "Appellation d'origine protégée (AOP) – Moselle Luxembourgeoise" ein neues Qualitätssystem eingeführt, in welchem die Herkunft des Weines, sein „Terroir“, mehr noch als bisher herausgestellt wird (Herkunftsprinzip). Es erfolgt eine Einteilung der Weine in drei Kategorien:

- „Côtes de …“ Harmonische Einsteigerweine

- „Coteaux de …“ Rebsortentypische Premiumweine

- „Lieu-dit“ Terroirweine

Wie eine Differenzierung der Weinstile in diesen Kategorien mittelt gezielter weinbaulicher Maßnahmen möglich ist, soll in diesem Projekt mit wissenschaftlichen Methoden betrachtet werden.

Projektbeschreibung:

Neben den weinbaulichen Maßnahmen bestimmen die klimatischen Bedingungen in entscheidendem Maße die Entwicklung der Rebe und die Typizität der Weine. Regionale Klimaprojektionen zeigen signifikante Veränderungen, sowohl in den mittleren als auch den Extremwerten verschiedener meteorologischer Größen wie Lufttemperatur, Niederschlag oder der Luftfeuchte. Diese Veränderungen der klimatischen Bedingungen werden in Zukunft signifikante Effekte auf die Rebe und die Weine der AOP-Region Moselle Luxembourgeiose haben.

Analysen und Bewertungen des zukünftigen Risikopotentials für den Weinbau in Luxemburg sind daher von besonderer Wichtigkeit. Auf Basis dieser Risikobewertungen können notwendige weinbauliche Anpassungsstrategien für eine ökonomische Nachhaltigkeit des Luxemburger Weinbaus entwickelt und getestet werden.

Das vorliegende Projekt hat das Ziel, den ökonomischen Erfolg des Weinbaus im Gebiet der Appellation d’origine protégée – Moselle Luxembourgeoise zu fördern und für die Zukunft (unter veränderten klimatischen Bedingungen) nachhaltig zu sichern.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden mit Hilfe gezielter wissenschaftlicher Untersuchungen

  •  Modelle zur Simulierung der Rebphänologie, der Reifeentwicklung und des Ertrags erarbeitet und Anwendungen entwickelt,
  • gezielte weinbauliche Maßnahmen zur Steuerung und Ertrags, der Weinqualität und des Weinstils getestet,
  • wissenschaftliche Untersuchungen zur optimalen Terminierung des Erntetermins und der Erntemethode durchgeführt,
  • weinbauliche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel untersucht und
  • Möglichkeiten der Differenzierung der Weinstile in der AOP Moselle Luxembourgeoise mittels weinbaulicher Maßnahmen getestet.

Projektdauer:

2019-2021

Projektträger:

LIST – Luxembourg Institute of Science and Technology

Partner:

Institut Viti-Vinicole

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Resultate:

Zwischenfazit nach zwei Projektjahren:

Die globalen, sich stark verändernden klimatischen Bedingungen bringen neue Chancen und neue Herausforderungen für die Winzer weltweit. Eine junge, frische Stilistik, wie man sie in den nördlicheren Gebieten Europas gewohnt ist, wird in Zukunft zunehmend schwieriger zu produzieren sein. Um diese für hiesige Regionen so bedeutende Stilistik beizubehalten, ist es von hoher Wichtigkeit, das Weinbergmanagement anzupassen. So kann mit Eingriffen in das Ertragsniveau und Anpassungen des Lesezeitpunktes agiert werden.

An den Rebsorten Pinot Gris und Chardonnay wurden in den Jahren 2019 und 2020 die Auswirkungen verschiedener Lesetermine (Termin 1, Termin 1+10 Tage und Termin 1+21Tage), sowie verschiedener Ertragsniveaus (zwei Bögen, einen Bogen und einen Bogen + Traubenteilen) analysiert. Dabei wurden die Versuchsglieder auf deren Traubenstruktur, Reifeverlauf, Fäulnisanfälligkeit, Ertrag, Inhaltsstoffe, sowie die sensorischen Merkmale untersucht.

Mit zunehmender Reife stiegen das Mostgewicht und (besonders in 2019) der Befall mit Botrytis cinerea bei allen Varianten deutlich an. Durch eine Traubenhalbierung konnte die Traubenstruktur aufgelockert und der Fäulnisbefall reduziert werden. So konnte der Lesetermin hinausgezögert werden, um die volle Aromaausreife der Trauben zu erreichen. Vollmundigere und reifere Trauben, welche insbesondere für den Premiumbereich genutzt werden können, sind so produzierbar. Die erzielten Erträge stiegen mit erhöhtem Anschnittsniveau.

Die deskriptiven sensorischen Verkostung sowie die aromachemischen Untersuchungen der Weine der Versuchsjahre 2019 und 2020 erfolgen voraussichtlich im Jahre 2022, wenn die Pandemie-Situation das Trainieren eines Sensorikpanels wieder erlaubt.

Hinsichtlich möglicher Anpassungsmaßnahmen zeigte sich in den Jahren 2017 bis 2020, dass die geprüften spätreifenden Sorten tatsächlich zumeist später in die Reifephase eintreten. Die Verschiebung des Reifebeginns im Vergleich zum Pinot noir betrug bis zu 10 Tage im Durchschnitt der vier Jahre (Cabernet franc). Bis auf die Sorte Zinfandel, der sich als relativ anfällig gegenüber einen Befall durch die Kirschessigfliege erweist, zeigten sich die Trauben-geteilten spätreifenden Sorten in den warmen Jahrgängen 2018 bis 2020 wenig fäulnisanfällig und erreichten hohe bis sehr hohe Mostgewichte – bei allerdings einem zumeist moderaten bis niedrigen Ertragsniveau. Der Reifeverlauf ist zumeist gegenüber der Vergleichsorte Pinot noir verzögert und die erreichten Erntemostgewichte liegen in der Regel etwas unter denen der Vergleichssorte. Dennoch werden häufig Erntemostgewichte im Bereich zwischen 80 und 90 °Oe erzielt.

In den folgenden Jahren werden die Untersuchungen hinsichtlich der spätreifenden Sorten fortgeführt. Insbesondere die wöchentlichen Reifemessungen sollen Aufschluss darüber geben, welche der geprüften Sorten gegenwärtig oder zukünftig das Potential für einen Anbau in Luxemburg aufweisen.

Im Rahmen des Projekte wurde das temperatursummenbasierte Phänologie-Modell „UniPhen“ sowie das Botrytis-Risiko-Modell „BotRisk“ entwickelt und in peer-reviewten wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht. Im weiteren Verlauf sollen diese Modelle mit regionalen Klimamodellen kombiniert werden, um den Einfluss des Klimawandels auf die Rebphänologie und die Fäulnis-Epidemie genauer abschätzen zu können.

 

Fachartikel und Veröffentlichungen:

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