Stiellähme: Empfehlungen für die Praxis

Das Auftreten der Stiellähme hängt von mehreren Faktoren ab.

Wuchs und Düngung

Starker Wuchs und hohe Erträge begünstigen die Stiellähme. Leichte, durchlässige, humusarme Böden ebenso. Unter niederschlagsreichen Bedingungen reduziert eine Begrünung die Stiellähme.
Wichtig ist ebenfalls eine ausgewogene Nährstoffreserve im Boden. Insbesondere bei der Unterlage SO4 steigert eine Überversorgung mit Stickstoff und Kalium sowie eine Unterversorgung mit Magnesium, Bor und Zink die Stiellähmegefahr. Normaler Wuchs, der Wuchskraft angepasste Erträge sowie auf Bodenanalysen basierende Düngungsstrategien sind daher anzustreben.

Unterlage

Schwach wachsende Unterlagen wie z.B. 3309, 8B, 5C wählen. SO4 fördert die Stiellähme.

Witterung

Kälteeinbrüche im August oder September führen oft zu Stiellähme. Daher sind Blattbehandlungen mit Magnesium sinnvoll in Anlagen, in denen die Krankheit regelmäßig auftritt, bei übermäßigem Wuchs und bei Kälteeinbrüchen im August und September.

Laubwandgestaltung

Dichte Laubwände erhöhen die Stiellähmegefahr. Die Trauben sollen gut belüftet und besonnt sein. Eine frühe, einseitige Entblätterung in wüchsigen Anlagen ist daher empfehlenswert.

Achtung

Eine übermäßige Entblätterung, insbesondere in schwachwüchsigen Anlagen, kann Stiellähme auslösen.

Blattdüngereinsatz

Magnesiumhaltige Blattdünger sollten in die Traubenzone gesprüht werden. In Jahren mit großer Stiellähmegefahr sollten dabei zwei Behandlungen durchgeführt werden. Die erste beim Beginn der Beerenreife mit Bittersalz (18 bis 20 kg/ha mit 600 bis 800 Liter Wasser), die zweite acht bis zehn Tage später mit einem Mg-haltigen Spezialblattdünger. Für diese zweite Anwendung nach dem Weichwerden (+/- 50 °Oe) sollte das Präparat Bittersalz nicht mehr eingesetzt werden, weil eine zu späte Behandlung mit diesem Produkt Bittertöne im Wein verursachen kann.

Obligatorisch ist diese Maßnahme in allen Flächen, wo Regalis oder Gibb3 eingesetzt wurde. Geeignete Blattdünger sind z. B. Bittersalz (0,5 - 2% = 4 – 15 kg/ha, höhere Wassermengen günstig!), Falnet (0,5 – 1% = 3 – 7,5 kg/ha), Lebosol-Magnesium (4 – 5 l/ha), Magnesiumnitrat (3 – 6 kg/ha), PhytoAs-Mg-400 (3 – 4 l/ha) und Wuxal Magnesium (5 kg/ha). Bittersalz nicht mit Mildicut oder phosphithaltigen Blattdüngern mischen.

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