Dosiermodelle im Rebschutz

In Luxemburg werden derzeit 3 verschiedene Dosiermodelle für Pflanzenschutzmittel im Weinbau verwendet. Das von der Herstellerfirma verwendete Dosiermodell hängt im Wesentlichen davon ab, aus welchem Land der Antrag auf Zulassung eines Pflanzenschutzmittels für Luxemburg erfolgt. Langfristig soll die Aufwandmenge in einem neuen Dosiermodell nicht mehr in Kilogramm bzw. Liter pro Hektar Grundfläche berechnet und zugelassen, sondern in Bezug auf die Laubwandfläche ausgewiesen werden.  

Aufwandmenge je Hektar Grundfläche

Dieses Dosiermodell ist das einfachste und wird seit der Anwendung des Sprühverfahrens angewendet. Die Aufwandmenge an Pflanzenschutzmittel wird dabei mit einer maximal zulässigen Menge je Hektar Grundfläche angegeben. Dieser Wert kann unterschritten werden, darf aber nicht überschritten werden. Es handelt sich also um eine maximale Dosis pro Hektar Weinreben, und dies unabhängig des Entwicklungsstandes, der Pflanzungsdichte oder des Erziehungssystems. Dies macht es im Grunde theoretisch erforderlich, dass das Pflanzenschutzgerät für jede Rebanlage neu eingestellt werden muss. Unterschiedliche Reihenabstände bedeuten nämlich unterschiedliche Fahrzeiten pro Hektar Rebfläche. Diese ständige Geräteumstellung ist nicht praktikabel und wird in der Praxis in der Regel nicht gemacht. Beispiel: Warum sollte auf eine Rebzeile bei 2,2 m Reihenabstand eine höhere Aufwandmenge appliziert werden als bei 1,8 m Reihenabstand? Denn bei konstanter grundflächenbezogener Aufwandmenge (kg/ha oder L/ha) stehen 10 m laufende Rebzeile einmal auf 22m2 und einmal nur auf 18m2 Grundfläche.

Bei Luxemburger Zulassungen für Produkte welche mit einer maximalen Aufwandmenge pro Hektar angegeben werden, handelt es sich normalerweise um Zulassungen die aus Frankreich stammen. Beispiel einer solchen Zulassung ist das Produkt Valiant Flash, das mit der Aufwandmenge von 3 kg/ha zugelassen ist (Stand 7/2019), und dies unabhängig von dem Entwicklungsstadium, der Reihenbreite oder der Erziehungsart.

Aufwandmengen abhängig von dem Entwicklungsstadium der Rebe

Beim derzeitigen Dosiermodell aus Deutschland wird ein Basisaufwandmenge in kg bzw. l/ha mit dem entsprechenden Faktor des Entwicklungsstadiums (BBCH) der Rebe multipliziert. Sie ist in erster Linie gültig für Rebanlagen mit Drahtrahmenerziehung und einer Reihenbreite von 2 m. Der Stadienbezug ist daher nur eine sehr grobe Zuordnung, denn Rebanlagen weisen zum gleichen Entwicklungsstadium erhebliche Unterschiede auf. Reihenabstände variieren nämlich in der Praxis zwischen 1,60 m bis 2,20 m, in Querterrassierungen bis zu 6m. Des Weiteren gibt es an der Luxemburger Mosel neben dem Drahtrahmen auch noch andere Erziehungsarten.

Besonders auffällig ist außerdem, dass im deutschen Faktorsystem in der besonders kritischen Phase der Blüte eher geringe Aufwandmengen berechnet werden, während in den späteren Stadien mit deutlich reduzierter Anfälligkeit höhere Mengen verwendet werden dürfen. Diese "Dosierdelle" führt zu einer Unterdosierung der Wirkstoffe genau zu dem Zeitpunkt wo die Rebe am empfindlichsten ist.

Leider haben wir in Luxemburg noch immer eine Reihe von Pflanzenschutzmittel welche mit dem deutschen Dosiermodell zugelassen worden sind.

Beispiel einer solchen Zulassung ist das Produkt Folpan (Zulassungsstand 7/2019):

  • Basisaufwand: 0,4 kg/ha
  • BBCH 61 (Beginn der Blüte): 0,8 kg/ha
  • BBCH 71 (Fruchtansatz): 1,2 kg/ha
  • BBCH 75 (Beeren erbsengroß): 1,6 kg/ha

Aufwandmengen in Bezug zur Laubentwicklung

Versuche ergaben, dass es einen klaren Zusammenhang gibt zwischen je m2 Laubwandfläche ausgebrachte Wirkstoffmenge und den Belagsmassen (Microgr. Wirkstoff/cm2 Blatt- oder Beerenoberfläche). Diesem Sachverhalt tragen die grundflächenbezogene Systeme nicht ausreichend Rechnung. Eine Lösung dieses Problems soll in Zukunft durch die laubwandbezogene Aufwandmenge erreicht werden. Zulassungen in Luxemburg mit diesem Dosiermodell kommen hauptsächlich aus Belgien. Hauptvorteil dieses System ist es, dass dem tatsächlichen Zusammenhang zwischen Aufwandmenge je Laubwandflächeneinheit und Belagsmassen endlich Rechnung getragen wird.

Im belgischen System wird die Aufwandmenge von Pflanzenschutzmittel in kg oder L pro 10.000m2  Laubwandfläche angegeben. Für die Praxis ist das System einfacher und transparenter.

Die zu behandelnde Laubwandfläche S wird folgendermaßen berechnet: 

S = 2 x (Laubwandhöhe / Reihenbreite) x Grundfläche 

Beispiele

Das Produkt DELAN 70 WG soll gegen die Peronospora verwendet werden. Das Produkt ist mit 0,4 kg/ha Laubwandfläche (S) in Luxemburg zugelassen. Wie wird die Aufwandmenge pro Hektar Grundfläche berechnet?

  • Anwendungsbeispiel 1:

Für einen Hektar Grundfläche, Weinberge mit 2 Meter Reihenbreite und einer Laubwandhöhe von 1,8 m ergibt dies eine Laubwandfläche von

S = 2 x (1,8/2)x1ha = 1,8 ha Laubwandfläche für einen Hektar Grundfläche

Die Aufwandmenge für diese Weinberg ist also pro Hektar Grundfläche 0,4 kg/ha x 1,8 ha = 0,72 kg

  • Anwendungsbeispiel 2:

Für einen Hektar Grundfläche, Weinberge mit 2,2 Meter Reihenbreite und einer Laubwandhöhe von 1 m (6- Blattstadium) ergibt dies eine Laubwandfläche von

S = 2 x (1/2,2)x1ha = 0,91 ha Laubwandfläche für einen Hektar Grundfläche

Die Aufwandmenge für diese Weinberge ist also pro Hektar Grundfläche 0,4 x 0,91 = 0,36 kg

Berechnung der Laubwandfläche
Berechnung der Laubwandfläche
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