ESCA

Biologie und Schadsymptome

Die Symptome der Holzkrankheit ESCA wurden bereits von den Römern beschrieben. Nachdem ESCA zunächst im Mittelmeerraum aufgetreten ist, wurde sie seit den 1990er Jahren vermehrt auch in nördlichen Weinbaugebieten festgestellt, wo sie sich in den letzten Jahren mit weiterhin zunehmender Tendenz ausgebreitet hat. Internationale Forschungsarbeiten ergaben, dass es sich bei ESCA um einen Krankheitskomplex holzzerstörender Pilze handelt.

Beteiligte Erreger:

  • Phaeomoniella chlamydospora (Pch)

  • Phaeoacromonium aleophilum (Pal)

  • Fomitiporia mediterranea (Fmed, Mittelmeer-Feuerschwamm)

Pch und Pal treten bereits in jungen Reben auf, dort besiedeln sie vorwiegend die Wasserleitungsbahnen des Holzkörpers. Fmed kann in dem gesamten Holzkörper älterer Stöcke ab dem 5. Standjahr festgestellt werden. Man unterscheidet zwischen einem chronischen und akuten Krankheitsverlauf. Der chronische Verlauf kann sich über mehrere Jahre hinziehen bis der Stock letztendlich abstirbt. Die Symptome treten von Jahr zu Jahr unterschiedlich stark ausgeprägt auf, dabei ist es auch möglich, dass sie in einem Jahr ausbleiben.

Beispiele für typische Symptome:

  • Blätter: „Tigerstreifen-Muster“ → Vergilbungen zwischen den Blattadern, die im Laufe der Zeit vom Zentrum her vertrocknen. Nur die Blattadern bleiben grün und die Blätter fallen frühzeitig ab.

  • Beeren: „Black measles“ → Bildung kleiner bläulich-schwarzer Flecken; es kann zum Schrumpfen und Eintrocknen der Beeren kommen.

  • Bei dem akuten Verlauf (Apoplexie) kommt es nach einem normalen Austrieb und zunächst symptomfreier Entwicklung plötzlich zu Absterbeerscheinungen; innerhalb weniger Tage vertrocknen einzelne Triebe oder auch der gesamte Stock.

  • Der Befall im Holz zeigt sich oft nur durch Öffnen eines scheinbar gesunden Holzkörpers; dabei weist das Holz an betroffenen Stellen Weißfäule auf, durch die es zurückgebildet und weich ist. Bei feuchten Bedingungen bildet sich nach kurzer Zeit das Mycel von Fmed. 

ESCA Tigerstreifenmuster an Blättern
ESCA Tigerstreifenmuster an Blättern
©Institut viti-vinicole
ESCA apoplexartiges Absterben
ESCA apoplexartiges Absterben
©Institut viti-vinicole
ESCA befallener Rebstamm
ESCA befallener Rebstamm
©Institut viti-vinicole

Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen:

Wiederaufbau des Stockes nach Rückschnitt

Da die Esca verursachenden Pilze die Rebstöcke vornehmlich über Schnittwunden vom Stammkopf besiedeln, können erkrankte Reben zum Teil durch einen starken Rückschnitt des Stamms in gesunde Bereiche und durch den Neuaufbau mit bodennahen Trieben gerettet werden. Befallene Stöcke sind gut zu erkennen, so dass die Gelegenheit genutzt werden sollte, diese im Feld zu markieren (z. B. mit Farb-spraydosen oder Bändern). Während der Schnittmaßnahmen im Winter oder im Frühjahr kann dann ein Rückschnitt des Stamms bei den markierten Stöcken erfolgen. Bei Rebstämmen, die nach dem Rückschnitt im unteren Bereich bereits schwarze Verfärbungen der Leitbahnen oder Vermorschungen aufweisen, ist die Krankheit bereits zu weit fortgeschritten, um den Stock zu sanieren.
Wird die Maßnahme parallel zum normalen Rebschnitt durchgeführt, sollten die Sägen nach der Behandlung eines Esca-kranken Stockes vorsichtshalber desinfiziert (z. B. mit Alkohol) werden. Die abgesägten Stämme müssen aus den Anlagen entfernt und sollten nicht im Freien innerhalb des Weinanbaugebietes gelagert werden. Dies gilt auch für endgültig abgestorbene Pflanzen. Bogreben und einjähriges Holz können im Weinberg verbleiben.

Fachartikel Stock-Sanierung bei ESCA, Arno Becker, DLR Rheinpfalz

Sanfter Rebschnitt

Der sanfte Rebschnitt ist eine rezent entwickelte Schnittmethode von den friulanischen Agronomen Marco Simonit und Pierpaolo Sirch. Bei diesem Verfahren geht es darum, beim Winterschnitt so wenige Verletzungen wie möglich anzubringen. Denn Pilzkrankheiten wie ESCA und Eutypiose haben leichtes Spiel, durch große Wunden ins Innere des Rebsstammes einzudringen und die Leitbahnen zu verstopfen. In zweiter Linie wird durch das Vermeiden großer Schnitte und das primäre Schneiden auf jungen Trieben die Anschnittfläche verringert und die Vitalität der Saftbahnen erreicht.

Fachartikel: Der sanfte Rebschnitt, Hanns-Christoph Schiefer, LVWO Weinsberg

Einsatz von Trichoderma-Pilzstamm

Auch wenn es momentan noch keine direkten Bekämpfungsmöglichkeiten gegen ESCA gibt, so steht aber seit kurzem mit dem Produkt VINTEC ein auf dem Trichoderma-Pilzstamm basierendes Präparat zur Verfügung, von dem man sich über diesen Wirkungsmechanismus eine vorbeugende Wirkung gegen ESCA erwartet. Der Pilzstamm Trichoderma atroviride SC1 ist ein guter Holzbesiedler und fungiert als Antagonist zur ESCA-Krankheit. VINTEC wurde 2017 erstmals in Luxemburg über eine Notfallzulassung nach Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 für 3 Monate zugelassen. Eine reguläre Zulassung wird erwartet.

Praktische Hinweise zur Ausbringung:

  • Der Einsatz wird ab April bis zum Bluten der Reben empfohlen. Das Bluten kann schon eingesetzt haben, sollte aber bei der Applikation nicht zu stark sein.

  • Aufwandmenge: max. 200 g/ha. Die Konzentration von 200 g/100 Liter (0,2%) muss eingehalten werden!

  • Anzahl Anwendungen: max. 2-mal in Abstand von einer Woche.

  • Die Tagestemperaturen sollten über 10°C liegen.

  • 24 Stunden nach dem Einsatz sollte kein Nachtfrost oder Starkregen einsetzen.

  • Eine gute Benetzung aller Schnittwunden ist zu gewährleisten.

  • Der Spritzmitteltank muss frei von Fungizidrückständen sein.

 

 

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