Peronospora

Schadbild und Biologie

Der Peronospora Pilz ist wirtsspezifisch und wächst im Pflanzengewebe (Endoparasit). Der Pilz überwintert in dickwandigen Wintersporen (Oospore) in befallenem Reblaub am Boden.

Der erste Befall, die sogenannte "Primärinfektion", kann erst erfolgen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • reife Primärsporangien an den Oosporen,
  • heftiger Regen (5 bis 10 mm innerhalb von 2–3 Tagen) zur Durchnässung des Falllaubes und Übertragung der Sporen,
  • genügend lange Blattnässe (4–6 Stunden) in Verbindung mit ausreichend hoher Temperatur (mindestens 10° C über 24 Stunden),
  • anfällige Rebteile, d. h. junge, grüne Organe mit offenen Spaltöffnungen (2–3 Blätter entfaltet, 10 cm lange grüne Triebe). Die Gescheine sind besonders anfällig.

Bei der Primärinfektion dringt das Pilzmyzel in die Spaltöffnungen an den Blattunterseiten ein und besiedelt dort die Zellzwischenräume. Auf dem Blatt werden dadurch die charakteristischen "Ölflecke" sichtbar.

 Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) Blatt mit älteren Ölflecken
Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) Blatt mit älteren Ölflecken
©Hochschule Geisenheim

Die Zeit von der Infektion bis zum Sichtbarwerden des "Ölfleckes" bezeichnet man als Inkubationszeit. Die Dauer der Inkubationszeit ist temperaturabhängig und kann unter günstigsten Bedingungen nur 4 Tage betragen. Nach Ablauf der Inkubationszeit wachsen bei Temperaturen über 12°C, absoluter Dunkelheit und mehrstündiger Blattnässe neue Sporangienträger durch die Spaltöffnungen. Hier spricht man vom "Ausbruch" der Pilzkrankheit. Die daraus entlassenen Zoosporen führen bei Feuchtigkeit und Temperaturen zwischen 6°C und 30°C zu Sekundärinfektionen. Dieser Vorgang wiederholt sich im Laufe der Saison vielfach.
Bis zum Stadium "Erbsengröße" kann das Myzel über Spaltöffnungen in die Beerenhaut einwachsen. Nach diesem Rebstadium verkorken die Spaltöffnungen, so dass kein Eindringen mehr möglich ist.  

Falscher Mehltau  (Plasmopara viticola) Geschein mit Sporulation
Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) Geschein mit Sporulation
©Hochschule Geisenheim

Bekämpfung

Man unterscheidet bei der Bekämpfung zwischen indirekten und direkten Maßnahmen.

Indirekte Bekämpfungsmaßnahmen:

  • Hygienemaßnahmen wie termingerechte Laubarbeiten und eine angemessene Entlaubung der Traubenzone,
  • über die gesamte Saison für eine gute Durchlüftung der Laubwand sorgen,
  • bei feuchten Standorten auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWIS) zurückgreifen. Infos zu den zugelassenen PIWIS finden Sie hier.

Direkte Bekämpfungsmaßnahmen: 

Die erste Behandlung sollte früh beginnen, d.h. ab dem 3-Blattstadium und unbedingt vor dem ersten Regen. Bodeninfektionen können weit bis in den Sommer möglich sein, insbesondere in Gebieten mit starken Vorjahresbefällen ist dieses Infektionspotential äußerst hoch. Zu den ersten Spritzungen sollten bei schwachem Infektionsdruck Kontaktmittel mit Phosphonaten (z.B. Veriphos) verwendet werden. Phosphonate in Verbindung mit Kontaktmitteln zeigen eine hervorragende Wirkung, da der Wirkstoff schnell in das wachsende Gewebe transportiert wird. Bei schnellem Triebwachstum und starkem Infektionsdruck sollten einziehende oder systemische Mittel angewendet werden und die Spritzintervalle maximal 10 Tage betragen.

Letzte Vorblüte - abgehende Blüte:

In diesem Zeitraum sind ausschließlich einziehende oder systemische Mittel beziehungsweise Kontaktmittel in Verbindung mit Phosphonaten anzuwenden. Die Spritzabstände sind in diesem Zeitraum kurz zu halten und dem vorhergesagten Befallsdruck durch das Prognosesystem VitiMeteo anzupassen. Nach dem Abwerfen der Blütekäppchen sind die jungen ungeschützten Beeren nämlich besonders anfällig für Infektionen und müssen unbedingt durch einen Spritzbelag geschützt werden. Im Falle einer verzettelten Blüte müssen mehrere Zwischenspritzungen um die Blütephase eingeplant werden.

Nachblüte:

In der Nachblütephase reichen bei befallsfreien Weinbergen in der Regel Kontaktmittel aus.   

Abschluss: 7. und 8. Spritzung

Zu den beiden letzten Spritzungen entweder raubmilbenschonende Kontaktmittel oder Kupferpräparate verwenden. 

VitiMeteo Peronospora

Das VitiMeteo Prognosesystem bietet eine wichtige Hilfestellung bei der Peronospora Bekämpfung. Das Modell nutzt und verarbeitet die lokalen Wetterdaten der entlang der Mosel positionierten Wetterstationen, um einerseits Informationen über das aktuelle Infektionsrisiko und andererseits eine Prognose über den Befallsdruck für die kommenden 5 Tage zu liefern. Das Modell besitzt ebenfalls die Fähigkeit, Inkubationszeiten (d.h. die Zeit bis zum Sichtbarwerden des ersten Ölflecks) nach einem Infektionsereignis zu rechnen. Dem Benutzer wird so ermöglicht, seine Spritzintervalle dem lokalen Pilzdruck termingerecht anzupassen und hiermit einen optimalen Bekämpfungserfolg zu erlangen. Auch im Hinblick auf Umweltschutz wird so ermöglicht, die Mengen an Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Muss zu reduzieren.

Hinweis: Sämtliche Wetterdaten einschließlich Prognosemodelle mit Helpdokumenten können Sie hier einsehen.

 

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