Schwarzfäule

Biologie und Schadbild

Die Schwarzfäule trat erstmals im Jahr 2004 verstärkt in unserer Weinbaugegend auf. Der Pilz überwintert in eingetrockneten Trauben (Fruchtmumien) die am Rebstock oder auf dem Boden verbleiben. Im Frühjahr bilden sich sogenannte Ascosporen in den Perithecien (geschlechtliche Fruchtkörper). Die Ascosporen werden im Frühjahr schon bei geringen Niederschlägen ausgestoßen und können über weite Entfernungen mit dem Wind verfrachtet werden. Diese Sporen benötigen zur Keimung Nässe sowie Temperaturen zwischen 10°C und 32°C (Optimum 26,5°C). Infektionen können an Blättern, Beeren (bis zu Reifebeginn) und seltener an Sommertrieben erfolgen.

Die ersten Infektionen (Primärinfektionen) erfolgen meistens an den Blättern. Es entstehen Nekrosen, in denen innerhalb weniger Tage Pyknidien (ungeschlechtliche Fruchtkörper) gebildet werden. Die Nekrosen zeigen sich als 2 bis 10 mm große, von einem dunkelbraunen Rand abgegrenzte Flecken. Innerhalb dieser Flecken sind die Pyknidien als kleine schwarze Punkte sichtbar. Aus letzteren werden die Konidien ausgestoßen, die wiederum zu neuen Infektionen führen (Sekundärinfektionen). 

Blattnekrosen mit Fruchtkörpern
Blattnekrosen mit Fruchtkörpern
©Hochschule Geisenheim

An Beeren zeigt sich die Schädigung als eine hell-rötlich braune Verfärbung. Werden junge Beeren befallen, dann trocknen diese innerhalb von wenigen Tagen ein und werden zu runzligen, häufig mit blauschwarzen Pyknidien übersäten "Fruchtmumien". Spät befallene Beeren (kurz vor der Reife) trocknen hingegen nicht mehr komplett ein und haben einen unangenehmen bitteren Geschmack. 

Schwarzfäule Fruchtmumien
Schwarzfäule Fruchtmumien
©Hochschule Geisenheim
Schwarzfäule Spätbefall an Trauben
Schwarzfäule Spätbefall an Trauben
©Hochschule Geisenheim

Die Länge der Inkubationszeit (Zeit nach der Infektion bis zum Sichtbarwerden der ersten Symptome) ist bei der Schwarzfäule nicht allein von der Witterung abhängig, sondern auch vom Entwicklungsstadium der Rebe. An Blättern und jungen Beeren beträgt sie im Sommer circa 2 Wochen. Ab dem Stadium Traubenschluss verlängert sich die Inkubationszeit an den Beeren auf bis zu 4 Wochen.

Die Infektionsgefahr nimmt bis zur Rebblüte ständig zu, um dann wieder bis zur Beerenreife progressiv abzufallen. Die Phase höchster Anfälligkeit für die Beeren reicht vom Entwicklungsstadium ES 73 (Schrotkorngröße) bis ES 79 (Ende Traubenschluss). Nach dem Abwerfen der Blütenkäppchen sind direkte Infektionen an den jungen Beeren möglich.

Bekämpfung

Indirekte Maßnahmen:

  • ordnungsgemäße Rodung von Weinbergsdrieschen,
  • luftige Erziehung mit termingerechten Laubarbeiten,
  • Teilentblätterung der Traubenzone,
  • Fruchtmumien beim Winterschnitt aus den Anlagen entfernen,
  • Absammeln befallener Trauben in der Saison.

Direkte Maßnahmen:

  • Produkte mit Nebenwirkung gegen die Schwarzfäule einsetzen: Dithiocarbamate, Triazole oder Strobilurine;
  • in der anfälligsten Phase zwischen Rebblüte und Reifebeginn sollte auf die wirksamsten Wirkstoffgruppen der Strobilurine und Triazole zurückgegriffen werden.   
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